Unters Messer gelegt

Eine größere Brust, weniger Oberweite oder endlich einen straffen Bauch – das könnten Wünsche von Betroffenen sein, die sich für eine Schönheits-OP entscheiden. Kosmetische Operationen dienen allerdings nicht ausschließlich dazu, dem Jugendkult oder einem Schönheitswahn zu folgen.

Es ist ein Vorurteil, dass Menschen, die sich freiwillig unters Messer legen, den Wunsch nach Perfektion anstreben und ein bestimmtes Schönheitsideal verfolgen.

Dr. Bauer beschäftigt sich seit 30 Jahren mit kosmetischen Operationen und hat bereits vielen Frauen das Leben im wahrsten Sinne des Wortes erleichtert. Zu ihr kommen Frauen jeden Alters. Zum Beispiel mit extrem starken Rückenschmerzen aufgrund von sehr großen Brüsten, aber auch Betroffene mit sogenannten Asymmetrien suchen ihre Hilfe. Asymmetrien können zwei ungleich große Brüste oder auch Verformungen sein.

Weitreichende Folgen

Massive körperliche Einschränkungen im Alltag, Rückenbeschwerden sowie Kopf- und Nackenschmerzen können das Resultat einer großen Brust sein. „Ganz oft haben betroffene Frauen auch Minderwertigkeitskomplexe. Sie werden gesellschaftlich abgestempelt und nicht selten auf ihre Brüste reduziert“, sagt Bauer.

Laut der Chefärztin kommen Frauen mit ihrem Wunsch nach Veränderung und Hilfe mit zu Recht in das Brustzentrum nach Weinheim. Fehlbildungen seien häufig bereits bei jungen Frauen zu erkennen, sie kommen meist direkt nach der Pubertät zum Vorschein und so leide das Selbstwertgefühl der Frauen enorm. Daher sei in solchen Fällen keinesfalls von Jugendkult oder Schönheitswahn zu sprechen. Die Konsequenzen können laut Bauer Fehlstellungen oder -haltungen sein. Bei einer sehr großen Brust könne man aufgrund der Beeinträchtigungen durchaus von einem Krankheitsbild sprechen, und dann würden die Kosten für die Operationen in der Regel übernommen.

Von nichts kommt nichts

„Man muss aber auch was dafür tun, dass die Krankenkassen die Kosten übernehmen“, macht Bauer klar. Für den Antrag bei der Krankenkasse sei einiges vorab notwendig. Von der Vorstellung in einer Klinik über die Stellungnahme und einen ausführlichen Bericht bis hin zu einer anonymen Bilddokumentation. Auch die Beratung durch Spezialisten wie Dr. Bauer sei dringend notwendig. Innerhalb eines Aufklärungsgespräches werden sowohl die Techniken, die Erwartungshaltung und natürlich auch die eventuellen Risiken einer solchen Operation erklärt.

Es gibt auch Risiken

Breite Narben, Wundheilungsstörungen, Infektionen, Nachblutungen oder Thromboseembolien sind eventuelle Risiken bei kosmetischen Eingriffen, die auftreten können, aber nicht müssen. Und auch bei der Wundheilung sollten sich die Patientinnen über eines im Klaren sein: „Die Narben sind nicht von dem Können des Chirurgen abhängig. Alle, die in diesem Bereich arbeiten, nähen heutzutage mit einem sehr feinen Nahtmaterial, welches sich anschließend von alleine auflöst. Narbenbildung und -bewältigung ist eine individuelle Eigenschaft des Körpers und daher unterschiedlich“, erklärt Bauer.

In Deutschland werden 65 000 Brustvergrößerungen pro Jahr durchgeführt. Die Kosten werden von den Krankenkassen im Vergleich seltener übernommen. Wenn Asymmetrien nicht extrem stark ausgeprägt seien oder die Frau fast überhaupt keine Brüste von Natur aus habe, komme die Kasse so gut wie nie für die Kosten auf. Der Wunsch nach mehr Brust oder einer Straffung, nachdem eine Frau zum Beispiel ihr Baby gestillt habe, treffe bei sehr vielen Betroffenen zu, berichtet Bauer im Gespräch. „Und auch wenn diese Wünsche nachvollziehbar sind, Krankenkassen sehen es oft anders“, erklärt sie. Eine Ausnahme stelle hier das Poland-Syndrom dar, das komplette Fehlen der Brust. Anders sehe es bei der Bauchdeckenplastik aus. Sie würde häufig nach extremem Gewichtsverlust durchgeführt. In diesem Fall erfolge eine Kostenerstattung, da die Patientin bereits einen großen Beitrag dazu geleistet habe, dass Kosten für Folgekrankheiten aufgrund von Übergewicht vermieden werden können. Von immenser Bedeutung ist für Bauer die Vermittlung einer realistischen Erwartungshaltung: „Wir können nicht jeden Wunsch erfüllen. Es gibt individuelle Körpermerkmale wie Größe der Brust oder die Hautqualität, die einen maßgeblichen Einfluss auf das spätere Ergebnis haben – und natürlich die Qualifikation des Operateurs.“

Von Jessica Ludwig

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