Liebesglück im TV?

Ein Blind-Date vor laufender Kamera und vielen fremden Menschen drum herum. Sebastians Freunde haben ihn schon fast genötigt, sich bei einer Dating-Show im Fernsehen zu bewerben – ganz nach dem Motto: „Der Junge muss jetzt endlich mal unter die Haube“.

Fast 16 000 Follower hat Sebastian aus Weinheim auf seinem Instagram-Account und es werden täglich mehr. Der 27-Jährige liebt es, sich selbst in Szene zu setzen. Beauty und Mode stehen bei ihm ganz weit oben. Kein Wunder also, dass man ihn auf Instagram auf mehr als nur einem Selfie bewundern kann.

Beruflich ist Sebastian für eine Krankenversicherung tätig und arbeitet seit dem ersten Lockdown von zu Hause aus. Das findet er im Übrigen keineswegs schlecht. Eingeschränkt fühle er sich dadurch nicht – nur das Liebesleben leidet unter der aktuellen Situation.

Der erste Eindruck zählt

Online-Dating, also sich im Netz auf verschiedenen Plattformen kennenlernen und treffen, ist da eine Möglichkeit sich mit anderen Menschen auszutauschen. Dem Weinheimer war jedoch auch das zu langweilig – er hat sich nun im Fernsehen verabredet

„First Dates – Ein Tisch für zwei“ ist eine Kuppelshow auf VOX mit dem Sternekoch Roland Trettl als Gastgeber. Die Kandidaten lernen sich in einem Restaurant bei einem Blind-Date kennen und am Ende jeder Folge entscheiden die Teilnehmer, ob sie Interesse an einem zweiten Treffen hegen.

Wie bei Blind-Dates üblich, wissen die Kandidaten zunächst nicht, wer oder was sie erwartet. Da zählt der erste Eindruck – und der war für den 27-Jährigen sehr gut. Als er seine Verabredung das erste Mal sah, war positiv überrascht. Der fremde Mann traf ziemlich genau seine Vorstellung.

Vorab musste Sebastian dem Team der Show eine Art Steckbrief zukommen lassen, in dem er seine Vorstellung und Kriterien eines Traummannes so genau wie möglich beschreiben sollte. „Im ersten Moment war ich mit der ganzen Situation total überfordert. Als ich dann aber meinem Blind-Date gegenüberstand und gesehen habe, man hat sich an meine Vorgaben gehalten, wurde ich immer entspannter“, sagt er.

Das eigentliche Beschnuppern mit seinem Blind-Date ging weit über eine Stunde hinaus. „Es gab kein Skript, wir konnten uns frei entfalten und vor allem wegen der Aufregung verging die Zeit superschnell“, so Sebastian. Beide Männer haben sich gut verstanden. Umso erstaunlicher: Während sich Sebastian sich durchaus ein zweites Treffen hätte vorstellen können, wollte es sein Gegenüber bei einem belassen. Trotzdem bereut er seine Entscheidung, an der Show teilzunehmen nicht.

„Ich würde alles wieder so machen“, antwortete der Weinheimer selbstbewusst. Sowohl das Blind-Date im Fernsehen, alles Gesagte und auch seine Entscheidung am Ende würde er eins zu eins wieder so machen. Für homosexuelle Menschen ist es schwerer, jemanden kennenzulernen. Online-Dating ist da fast die einzige Möglichkeit – und eben Verabredungen im Fernsehen. Wir schwulen Männer quatschen eher selten jemanden auf der Straße oder im Geschäft an. Da ist zum einen die Hemmschwelle zu hoch und zum anderen kann man sich ja nie sicher sein,ob der andere ebenfalls schwul ist“.

Sebastian steht zu seiner Sexualität, seiner Affinität zu Schönheit und Mode und macht auch keinen Hehl aus seinen Schönheitsoperationen. „Dafür braucht sich heutzutage keiner mehr zu schämen. Wir sollten alle generell viel offener sein.“ Sich zum Beispiel Botox spritzen zu lassen, sei für ihn total normal. Aufgrund seines Fernsehauftrittes bekommt Sebastian seither viel positives Feedback.

Von Jessica Ludwig


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