Dominas: Sex ist für uns ein Tabu!

Gastdominas Lady Lia und Baroness Davina Dust des Weinheimer Studios „Kinky Domination“ über ihren Beruf und die Wünsche ihrer Kunden.

Ihren Weg in die Sadomaso-Szene (SM) fanden beide auf unterschiedlichen Wegen. „Mich hat das Thema schon sehr früh interessiert“, berichtet Lady Lia. „Es hat alles mit der Kleidung angefangen. Die hohen Stiefel, Latex, Strümpfe – einfach alles, was glänzt.“ Mit 15 Jahren kaufte sie sich ihre ersten Latexstrümpfe.

„Ich war in einem Internat und kam immer an diesem Laden vorbei. Ich musste mir mein Taschengeld lange zusammensparen. Aber irgendwann konnte ich mir diese Strümpfe leisten.“ Sie erinnert sich, wie sie verschämt in den Laden huschte. Die Latexstrümpfe kaufte sie im Eilverfahren. Ein Fehler, wie sie danach erfahren musste: „Ich wusste nicht, wie ich sie anziehen sollte. Also rieb ich mich mit Baby-Öl ein. Danach waren sie kaputt. Das war kein sanfter Einstieg – weder in die Strümpfe noch in die Szene.“

Erst später, zu ihrem 18. Geburtstag, gelang es ihr zum ersten Mal, Szenenluft zu schnuppern. Es folgte ein Praktikum in einem SM-Studio und wochenlange Schulungen durch erfahrenere Dominas. „Ich war damals noch sehr jung und etwas unbeholfen.“

Vom Escort zum Sadomaso

Ganz anders war der erste Kontakt der Baroness mit der Szene. „Ich hatte eine unschöne Trennung hinter mir. Daraufhin hatte ich mich entschieden im Escort-Bereich Fuß zu fassen.“ Einer ihrer Kunden habe sich in der SM-Szene gut ausgekannt und ihr Interesse geweckt. Seither ist sie die Baroness Davina Dust. Familiär ist das Thema mehr ein Tabu. Bei der Baroness erfuhr es der Vater über Bekannte, während Lady Lia weniger Kontakt zu ihren Eltern hat. „Meine Eltern sind bei dem Thema sehr uncool, weshalb sie auch nichts davon wissen.“ Für Lia ein Grund, den Kontakt zu ihrer Familie so gering wie möglich zu halten. „Ich will sie nicht unnötig beunruhigen.“

Kein Sex

Tief in der Klischeekiste ist der Beruf Domina mit Sex verbunden. In der Realität sieht das anders aus. Beide Frauen erzählen von ihren Tabu-Listen, die auch auf ihren Set-Cards zu finden sind. Hier sind Handlungen aufgeführt, die sie grundsätzlich ablehnen. Dazu zählt auch der Geschlechtsverkehr. Die männerhassende Frau ist ein weiteres Klischee, welches die Damen umgehend verneinen. Die Baroness erklärt: „Eine Domina muss Männer respektieren. Das, was wir tun, ist meiner Meinung nach die höchste Form eines Vertrauensvorschusses, die eine Person erbringen kann.“
Damit meint sie das Vertrauen ihrer Kunden, die ihren Fetisch und ihre Wünsche mit den Dominas teilen, ohne sich schämen zu müssen. Und nicht nur Männer sind ihre Kunden. Auch Frauen nehmen die Dienstleistungen in Anspruch. Was für die Baroness weniger ein Problem darstellt, bringt Lady Lia mehr ins Hadern: „Wenn mich eine Frau traurig anschaut, kann ich nicht in meiner Rolle bleiben.“

Wunsch ist Wunsch

Ob Mann oder Frau – der Respekt vor dem Menschen darf in keinem Fall verloren gehen. „Auch wenn der Wunsch noch so skurril ist, muss man sich auf Augenhöhe mit der Person unterhalten und diesem Wunsch nachkommen oder die Session von Beginn an ablehnen“, erklärt die Baroness ernsthaft und ergänzt: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen“ und bekommt die nickende Zustimmung ihrer Kollegin. 

Von Sandra Kettenmann

Ihr wollt mehr? Dann hört in den passenden Podcast von Jessica Ludwig rein.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von open.spotify.com zu laden.

Inhalt laden

Gib mir mehr
Lesestoff